Energiewende selbst gestalten: Balkon-PV-Workshops der Hochschule Koblenz zu Gast in Züsch
Mit einer solch großen Teilnahme hatten die Veranstalter, Ulrich Frohn und Dorfbegleiterin Alexandra Thömmes nicht gerechnet, aber es zeigt, dass das Thema immer noch sehr aktuell ist. Die Ortsgemeinde Züsch hat gemeinsam mit Prof. Dr. Johannes Stolz von der Hochschule Koblenz einen Balkon-PV-Workshop veranstaltet. Mehr als 75 Personen nahmen an den kostenfreien Workshops am vergangenen Wochenende teil.
Die Grundlagen der Balkon-PV-Anlagen erklärte Prof. Dr. Stolz in einem Vortrag. Hier ging es um die Kosten, den Aufbau, den Betrieb, die Wartung und die Anmeldung solcher Anlagen. Anschließend blieb noch Zeit für Fragen, bevor es dann raus auf den Platz hinter dem Gemeindehaus ging. Hier wurde der praktische Teil der Workshops durchgeführt. Dafür stand ein ganzer Transporter voller Material bereit. Die Teilnehmer:innen bauten selbst eine solche Anlage auf und haben die eingespeiste Leistung über die Kommunikation mit einer smarten WLAN-Steckdose direkt auf ihrem Smartphone angezeigt bekommen. „Erzählen kann man viel. Wenn man es aber einmal selbst aufgebaut hat, ist das nochmal ganz was anderes. Das bleibt deutlich besser im Gedächtnis. Daher ging es hier bewusst um das Lernen über die Finger.“, so Prof. Stolz.
Die Teilnehmer:innen bewerteten den Workshop durchweg positiv und waren mit Elan beim Aufbau dabei. „Ich hätte wirklich nicht gedacht, dass es so einfach ist, eine solche Anlage aufzubauen. In weniger als einer Viertelstunde war alles erledigt. Dabei habe ich noch am längsten gebraucht, um mich mit dem Handy auf die smarte WLAN-Steckdose zu verbinden. Das war echt eine tolle Sache!“, so ein Teilnehmer des Workshops. Auch die Organisatorin Alexandra Thömmes war hochzufrieden: „Wir haben heute viele Leute für diese Form der Solaranlagen begeistern können. Das Tolle daran ist, dass es wirklich nur noch an einem selbst hängt, es auch wirklich zu machen. Ich bin da sehr guter Dinge.“
Balkon-PV-Anlagen sind kleine Solaranlagen mit einer maximalen Einspeiseleistung von 600 Watt, die anzeigepflichtig, aber genehmigungsfrei sind und selbst installiert werden können und dürfen. Es braucht keine Elektrofachkraft mehr, um die Anlage anzuschließen. Zudem werden ab Mai 2023 die gesetzlichen Rahmenbedingungen für diese Anlagen weiter vereinfacht. Wie sehr sich solche Anlagen lohnen, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Mit Anschaffungskosten von etwa 450 € bis 650 € können je nach Verbrauch im Haus bis zu 150 € eingespart werden. Somit rentiert sich eine solche Anlage bereits nach wenigen Jahren. Dabei kann man selbst hier einiges dafür tun, dass sich solche Anlagen noch schneller lohnen: Vorhandene Energiespeicher lädt man tagsüber, Gefrier-, Kühl- und Klimageräte als auch Waschmaschinen und Spülmaschinen lässt man dann laufen, wenn die Sonne scheint. So maximiert sich der Verbrauch des selbst erzeugten Solarstroms und der Bezug vom Energieversorger wird reduziert.
Erweiterung der Freiflächenanlage
Das Gebiet oberhalb der jetzigen Freiflächenanlage käme als Standort für eine Erweiterung der PV-Anlage in Frage. In einem ersten Schritt wurde das Ingenieurbüro Kernplan beauftragt eine Vereinfachte Raumordnerische Vorprüfung einzuleiten. Über Kernplan wurde zudem die ARK Umweltplanung und -consulting mit der Erstellung eines Umweltgutachtens beauftragt. Im August 2021 wurde bei der Kreisverwaltung die Raumordnerische Vorprüfung eingereicht. Der Antrag mit dem Umweltgutachten, sowie das Ergebnis der Vereinfachten Raumordnerischen Vorprüfung stehen zum Download bereit.
Die Vorprüfung dient dazu abzuklären, ob überhaupt eine PV-Anlage errichtet werden kann und ob weitere Planungen möglich sind. Man kann festhalten, dass es nur wenige Einwände gegen eine Erweiterung sprechen. Es ist zum jetzigen Zeitpunkt noch überhaupt nicht geklärt, ob eine Anlage errichtet wird, wie die Wirtschaftlichkeit einer Anlage ist und welches Betreiber-Modell gewählt wird. Größe, Standort oder Art der Anlage sind noch nicht festgelegt worden. Der Gemeinderat wird im nächsten Schritt mit Anlagenbauer und Planungsgesellschaften sprechen und einige Vorschläge hierzu erarbeiten.
Photovoltaikanlagen
Die Ortsgemeinde Züsch betreibt 2 Photovoltaikanlagen. Die Erste wurde 2008 auf dem Bürgerhaus in Züsch errichtet und hat eine Gesamtleitung von 25 KWp.
Im Jahre 2015 wurde auf einer Gewerbegebietsfläche von 2 Hektar eine Anlage mit ca. 1 MWp errichtet.
Hierdurch leistet Züsch einen deutlichen Beitrag zur Energiewende.